Joomla ablösen: Warum sich der Umstieg lohnt
Joomla war mal die Nummer zwei im CMS-Markt. Heute schrumpfen Community und Sicherheit gleichzeitig. Warum der Umstieg auf ein Headless CMS jetzt Sinn macht.
Joomla war mal die Nummer zwei im CMS-Markt. Direkt hinter WordPress, vor Drupal, mit einer loyalen Community und dem Ruf, das flexiblere System zu sein. Das ist Geschichte. Heute kämpft Joomla um Relevanz — und wer eine Joomla-Website betreibt, spürt das immer deutlicher.
Über 2000 bekannte Sicherheitslücken, ein Ökosystem, das schneller schrumpft als es wächst, und ein Entwickler-Pool, der sich in Richtung Rente bewegt. Die Frage ist nicht ob, sondern wann du deine Joomla-Seite ablösen solltest. Und vor allem: womit.
Warum Joomla ein Problem wird
Joomla teilt ein Kernproblem mit WordPress — in verschärfter Form: Die Sicherheit hängt am Ökosystem, nicht am Core. Extensions (Joomlas Pendant zu WordPress-Plugins) stammen von Drittanbietern, oft als Hobbyprojekt. Die Qualitätskontrolle? Praktisch nicht vorhanden.
Laut CVE Details dokumentierte die Community seit 2005 über 700 Schwachstellen im Core — dazu kommen Tausende in Extensions. Der Unterschied zu WordPress: Bei Joomla liefern deutlich weniger Entwickler Patches. Wenn eine Extension verwundbar ist, dauert es Monate bis zum Fix. Oder er kommt nie.
Das betrifft nicht nur Nischen-Extensions. Auch populäre Erweiterungen wie Akeeba Backup, JCE Editor oder VirtueMart hatten wiederholt kritische Sicherheitslücken. Und weil Betreiber Joomla-Websites seltener professionell warten als WordPress-Seiten, bleiben diese Lücken oft lange offen.
Die Community schrumpft — und mit ihr der Support
Das zweite Problem schleicht sich an, trifft aber hart: Die Joomla-Community wird kleiner. Die Zahlen sprechen für sich:
- Joomlas Marktanteil fiel von über 9% (2015) auf unter 2% (2025) (Quelle: W3Techs)
- Google Trends zeigt einen stetigen Abwärtstrend bei Suchanfragen zu Joomla seit 2014
- Die Anzahl aktiver Extensions im Joomla Extensions Directory sinkt seit Jahren
- Viele prominente Joomla-Entwickler wechselten öffentlich auf WordPress oder moderne Frameworks
Was heisst das für dich? Weniger Entwickler bedeutet: höhere Stundensätze, längere Wartezeiten, weniger Auswahl. Wenn dein aktueller Joomla-Entwickler aufhört oder die Agentur wechselt, findest du zunehmend schwierig Ersatz. Nicht unmöglich — aber deutlich teurer.
Joomla 5: Zu wenig, zu spät?
Im Oktober 2023 kam Joomla 5 — und ja, es brachte Verbesserungen: ein moderneres Admin-Interface, bessere Performance, PHP 8.1+ Support. Aber die entscheidende Frage: Reicht das?
Die ehrliche Antwort: Für bestehende Joomla-Projekte kann ein Upgrade auf Joomla 5 als Übergangslösung Sinn machen. Aber als Grundlage für ein neues Projekt? Da gibt es heute bessere Optionen.
Joomla 5 bleibt ein monolithisches PHP-System. Es bietet keinen echten Headless-Modus, keine native API-first-Architektur und keine Antwort auf die Frage, wie du Inhalte kanalübergreifend ausspielst. In einer Welt, in der Inhalte auf Websites, in Apps, auf Digital Signage und via AI-Assistenten landen, ist das ein strukturelles Defizit.
Was bei einem Wechsel besser wird
Wir setzen bei neuen Projekten auf Headless CMS wie Sanity.io oder Payload CMS, kombiniert mit SvelteKit als Frontend-Framework. Was das konkret ändert:
Sicherheit durch Architektur: Das CMS lebt getrennt vom Frontend. Kein PHP auf dem Webserver, keine Datenbank-Anbindung am Frontend, keine Angriffsfläche durch Extensions. Die häufigsten Joomla-Angriffsvektoren existieren schlicht nicht mehr.
Redaktionserlebnis: Statt eines überladenen Joomla-Backends bekommst du ein aufgeräumtes Interface, genau auf deine Inhalte zugeschnitten. Kein Menü mit 47 Optionen — nur das, was du wirklich brauchst. Bei Sanity setzt du strukturierte Inhaltsblöcke wie Lego zusammen. Konsistent, wiederverwendbar, wartbar.
Performance: Statisch generierte Seiten laden in Millisekunden. Kein PHP, das bei jedem Seitenaufruf die gesamte Maschinerie hochfährt. Deine Besucher merken den Unterschied — und Google auch.
Zukunftssicherheit: Deine Inhalte leben strukturiert im CMS und lassen sich überallhin ausspielen. Neue Website? Neue App? Neuer Kanal? Die Inhalte sind bereit.
Typische Bedenken — und ehrliche Antworten
«Wir haben hunderte Seiten in Joomla.» Verständlich. Aber Hand aufs Herz: Wie viele davon nutzt du aktiv? Aus Erfahrung wissen wir — bei den meisten Projekten sind 60-70% der Inhalte veraltet. Eine Migration ist gleichzeitig eine Inventur. Das spart langfristig mehr, als es kurzfristig kostet.
«Unsere Redaktoren kennen Joomla.» Sanity oder Payload lernst du in einem halben Tag. Und die meisten Redaktoren sind erleichtert, wenn sie ein übersichtliches Interface bekommen statt des Joomla-Backends mit seinen verschachtelten Menüs.
«Das wird teuer.» Eine Migration ist eine Investition. Aber rechne dagegen: Was kosten dich jährlich Joomla-Updates, Security-Patches, Extension-Kompatibilitätsprüfungen und der immer teurere Entwickler-Support? Bei einem Projekt im Bildungsbereich haben wir nach dem Wechsel die laufenden Wartungskosten um rund 40% reduziert.
«Joomla reicht uns eigentlich.» Mag sein — heute. Aber die Entwicklung zeigt klar in eine Richtung: Weniger Community, weniger Updates, weniger Zukunft. Je länger du wartest, desto teurer wird der Umstieg.
Das Wesentliche auf einen Blick
- Joomla verliert rapide Marktanteile und Community — der Trend ist seit Jahren eindeutig
- Die Sicherheitslage verschärft sich, weil weniger Entwickler Extensions pflegen
- Joomla 5 macht einen Schritt nach vorne, liefert aber kein Argument für neue Projekte
- Headless CMS wie Sanity oder Payload trennen Inhalt von Darstellung — sicherer, flexibler, wartbarer
- Eine Migration ist gleichzeitig eine Content-Inventur, die fast immer überfällig ist
- Die laufenden Kosten sinken typischerweise um 30-40% nach dem Wechsel