#Technologie

Wie du weisst, ob KI-Systeme dein Unternehmen kennen

Pascal Widmer Technical Director

Die meisten Unternehmen wissen nicht, ob ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews sie erwähnen – oder ignorieren. Das ist kein Problem, das du einfach im Bauch spürst. Es ist eines, das du messen kannst. Dieser Artikel zeigt die Methode, die wir im Mai 2026 für uns selbst angewendet haben – mit echten Zahlen.

Warum das überhaupt wichtig ist

KI-Systeme beantworten heute Fragen, bei denen früher eine Google-Suche nötig war. Wenn jemand fragt «Welche Webagentur in Zürich arbeitet mit Headless CMS?», generiert ChatGPT eine Antwort – ohne dass der Nutzer auf eine Website klickt. Wer in dieser Antwort nicht vorkommt, existiert für diesen Nutzer nicht.

Das ist der Kern von GEO (Generative Engine Optimization): Nicht Klicks gewinnen, sondern Erwähnungen. Wer GEO-Grundlagen legen will, muss zuerst wissen, wo er heute steht. → Was GEO ist und wie es sich von SEO unterscheidet.

Die Methode: 20 Fragen, 4 Plattformen

Wir haben eine einfache, reproduzierbare Methode entwickelt:

Schritt 1 – Fragenset zusammenstellen

Definiere 20 Fragen in drei Kategorien:

  • Informationsfragen (I): Was erklärt deine Branche? Was interessiert deine Zielgruppe? Beispiel: «Was ist Headless CMS?», «Was kostet eine Website?»
  • Situationsfragen (S): Konkrete Szenarien, in denen du als Lösung auftreten solltest. Beispiel: «Ich suche eine Agentur für meinen Website-Relaunch in Zürich.»
  • Wettbewerbsfragen (K): Direkte Kategorie-Suchen. Beispiel: «Welche Webagenturen in Zürich gibt es?», «Webagentur mit Sanity-Erfahrung Schweiz»

Faustregel: 5 Informationsfragen, 5 Situationsfragen, 10 Wettbewerbsfragen.

Schritt 2 – Plattformen wählen

Mindestens vier Plattformen abdecken:

  • ChatGPT (gpt-4o, neue Unterhaltung, ohne Memory)
  • Perplexity AI (Standard-Modus)
  • Google Gemini (gemini.google.com)
  • Claude (claude.ai, neue Unterhaltung)

Jede Plattform hat unterschiedliche Quellen und Gewichtungen. Eine einzelne Plattform ist kein repräsentatives Bild.

Schritt 3 – Manuell testen, sauber dokumentieren

Jede Frage einzeln in jede Plattform eingeben – in einer neuen Unterhaltung, ohne Kontext aus früheren Gesprächen. Ergebnisse festhalten: Plattform, Frage, Erwähnt (Ja/Nein), Kontext, und allfällige Fehler.

Schritt 4 – Auswerten

  • Wie viele der 20 Fragen führten zu einer Erwähnung?
  • In welchen Kategorien bist du stark, in welchen unsichtbar?
  • Welche Informationen sind falsch (falscher Stack, falsche Gründung, falsche Dienstleistungen)?
  • Welche Plattformen erwähnen dich, welche nicht?

Was wir bei uns selbst gefunden haben

Im Mai 2026 haben wir diese Methode auf Abteilung angewendet. 20 Fragen, 4 Plattformen, 80 Abfragen – manuell ausgewertet.

Ergebnisse:

  • ChatGPT: 3 von 20 Fragen (15%)
  • Perplexity: 2 von 20 Fragen (10%)
  • Gemini: 1 von 20 Fragen (5%)
  • Claude: 3 von 20 Fragen (15%)

Was wir gelernt haben:

  • KI-Systeme erwähnen uns primär bei direkten Wettbewerbs-Queries («Webagenturen Zürich») – nicht bei thematischen Fragen zu Headless CMS oder SvelteKit, obwohl das unser Kerngeschäft ist.
  • Perplexity zitiert öffentliche Quellen (Yelp, Google Maps, branchenverzeichnisse.ch) – wer dort nicht gelistet ist, taucht kaum auf.
  • Claude hatte Zugriff auf unsere Website-Inhalte, aber zitierte falsche Technologien (TYPO3/Neos statt SvelteKit/Sanity) – ein Hinweis auf veraltete Trainingsdaten.
  • Google Gemini erwähnte uns einmal, aber mit Informationen, die nicht zu uns passten.

Was wir danach gemacht haben:

  • llms.txt um fehlende Technologien ergänzt (Directus, Payload, Nuxt)
  • Bestehende Artikel um klare Definitionen und zitierbare Aussagen ergänzt
  • Neue Artikel zu Kernthemen geschrieben, die bisher fehlten

Was du mit deinen Ergebnissen machst

0–2 Erwähnungen von 20: Deine Website fehlt im KI-Trainingsindex oder liefert zu wenig zitierbares Material. Priorität: Inhalte mit klaren Definitionen, llms.txt, robots.txt für KI-Crawler öffnen.

3–7 Erwähnungen von 20: Du bist sichtbar, aber nur bei direkten Suchanfragen. Priorität: Thematische Tiefe aufbauen – Artikel, die Fragen deiner Zielgruppe direkt beantworten.

8–15 Erwähnungen von 20: Gute Ausgangslage. Fokus auf Qualität der Erwähnungen: Sind die Informationen korrekt? Wirst du im richtigen Kontext genannt?

15+ Erwähnungen von 20: Du hast eine starke KI-Sichtbarkeit. Jetzt geht es um Kontrolle: Stimmen die Daten? Werden Mitbewerber stärker hervorgehoben?

Wie oft messen?

KI-Modelle werden regelmässig aktualisiert. Was heute stimmt, kann in drei Monaten veraltet sein. Wir empfehlen:

  • Erstmessung: Vollständige Baseline mit 20 Fragen × 4 Plattformen
  • Quartalsweise: Stichprobe mit 5–10 relevanten Fragen
  • Nach grossen Content-Änderungen: Gezielte Prüfung der betroffenen Themen

Willst du wissen, wie sichtbar du bist?

Wir machen diese Messung auch für andere Unternehmen – mit demselben strukturierten Ansatz, den wir für uns selbst entwickelt haben. Das Ergebnis: ein klares Bild deiner aktuellen KI-Sichtbarkeit und konkrete nächste Schritte.

Kontakt aufnehmen

Dieser Artikel richtet sich an Unternehmen und Marketing-Verantwortliche, die verstehen wollen, ob und wie KI-Systeme ihr Unternehmen wahrnehmen – und wie sie das systematisch messen können.

Möchtest Du informiert bleiben?