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llms.txt: Wie du deine Website für KI-Suchmaschinen optimierst

Pascal Widmer Technical Director

KI-Suchmaschinen verändern das Web. Mit llms.txt steuerst du, wie Sprachmodelle deine Inhalte nutzen – einfach, wirksam, zukunftssicher.

Google zeigt heute nicht mehr nur Suchergebnisse an – es liefert direkte Antworten, generiert von KI. ChatGPT, Perplexity, Claude und Gemini durchsuchen das Web nach Informationen und fassen sie für Millionen von Nutzer:innen zusammen. Die Frage ist nicht mehr «ob», sondern «wie» deine Website-Inhalte von KI-Systemen genutzt werden.

Konkret bedeutet das: Wer heute nur für Google optimiert, verpasst einen wachsenden Kanal. Laut einer Studie von Gartner werden bis 2026 rund 25 Prozent aller Suchanfragen über KI-gestützte Antworten beantwortet – ohne dass Nutzer:innen eine klassische Website besuchen. Und das betrifft nicht nur Tech-Konzerne: Auch Schweizer KMU spüren bereits, dass sich die Spielregeln verändern.

Was verändert sich gerade?

Large Language Models – also KI-Systeme wie GPT-4, Claude oder Gemini – haben gelernt, natürliche Sprache zu verstehen und zu generieren. Sie durchsuchen Websites nicht mehr nur, um Links zu indexieren. Sie lesen deine Inhalte, extrahieren Fakten und verwenden sie als Wissensquelle für ihre Antworten.

Die Zahlen sprechen für sich:

  • ChatGPT verzeichnet über 400 Millionen wöchentliche Nutzer:innen weltweit (Stand: März 2025, Quelle: OpenAI).
  • Perplexity hat seine Nutzerbasis 2024 verzehnfacht und verarbeitet mittlerweile Hunderte Millionen Suchanfragen pro Monat (Quelle: Perplexity AI).
  • Google AI Overviews sind in der Schweiz seit 2025 aktiv und erscheinen bei einem wachsenden Anteil der Suchanfragen direkt über den klassischen Ergebnissen.
  • Laut Rand Fishkin (SparkToro) enden bereits heute fast 60 Prozent aller Google-Suchen ohne Klick auf eine Website – Tendenz steigend durch KI-Antworten.

Das Problem: Du hast aktuell kaum Kontrolle darüber, wie das geschieht. KI-Systeme nutzen deine Inhalte – ob du das willst oder nicht. Die Frage ist, ob du die Regeln mitbestimmst.

llms.txt: Die Spezifikation für KI-Crawler

Genau hier setzt llms.txt an. Nach dem Vorbild von robots.txt – die seit 1994 regelt, welche Suchmaschinen-Crawler wo zugreifen dürfen – definiert llms.txt Regeln speziell für KI-Systeme. Die Idee: Eine einfache Textdatei im Stammverzeichnis deiner Website, die festlegt:

  • Welche Inhalte KI-Systeme nutzen dürfen
  • Wie deine Inhalte zitiert werden sollen
  • Welche Nutzungsrechte gelten
  • Welche Einschränkungen es gibt

Die Spezifikation wurde ursprünglich von Jeremy Howard (fast.ai) vorgeschlagen und wird von einer wachsenden Community weiterentwickelt. Immer mehr Anbieter – darunter auch grössere Plattformen – beginnen, llms.txt-Dateien zu respektieren.

Wichtig: llms.txt ist noch eine junge Spezifikation. Aber genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich zu positionieren – bevor Standards ohne dich definiert werden.

Was heisst das für Schweizer KMU?

In der Schweiz ist das Thema noch wenig präsent. Die meisten KMU haben weder eine llms.txt noch eine bewusste Strategie für KI-Suchmaschinen. Das ist gleichzeitig Risiko und Chance.

Ein Beispiel aus der Praxis: Wir bei abteilung.ch haben für unsere eigene Website eine llms.txt implementiert. Sie definiert, welche Inhalte KI-Systeme nutzen dürfen, verlangt Quellennennung und schützt sensible Bereiche. Du findest sie unter abteilung.ch/llms.txt.

Warum wir das gemacht haben? Weil wir als Digitalagentur für KMU die Spielregeln kennen wollen – und nicht erst reagieren, wenn andere sie festgelegt haben. Das Übersetzer-Prinzip gilt hier besonders: Technik, die für dich arbeitet, statt Technik, die du nicht verstehst.

Für Schweizer Unternehmen ist ausserdem relevant: Mit klaren Nutzungsrichtlinien in der llms.txt schaffst du Transparenz im Hinblick auf das Schweizer Datenschutzgesetz (DSG). Du zeigst proaktiv, wie du mit KI-Nutzung deiner Inhalte umgehst.

So implementierst du llms.txt

Die gute Nachricht: Die technische Umsetzung ist einfach. In vier Schritten bist du startklar.

Schritt 1: Datei erstellen

Erstelle eine Textdatei namens llms.txt und platziere sie im Root-Verzeichnis deiner Website, also unter https://deinewebsite.ch/llms.txt. Die Datei ist reines Textformat – kein HTML, kein JSON, keine Programmierung nötig.

Schritt 2: Regeln definieren

Eine grundlegende llms.txt könnte so aussehen:

llms.txt
# llms.txt für Firma XY
# Letzte Aktualisierung: 2026

# Erlaubte Inhalte
Allow: /blog/*
Allow: /produkte/*

# Gesperrte Bereiche
Disallow: /intern/*
Disallow: /kunde/*

# Zitatrichtlinien
Attribution: required
Source-URL: required

# Nutzungsrechte
Usage: training-allowed
Usage: commercial-allowed

# Kontakt
Contact: legal@deinewebsite.ch

Passe die Regeln an dein Unternehmen an. Willst du zum Beispiel verhindern, dass KI-Systeme mit deinen Preislisten trainiert werden? Dann schliesse den entsprechenden Pfad aus.

Schritt 3: Validieren und testen

Prüfe, ob die Datei öffentlich erreichbar ist. Teste verschiedene KI-Tools – etwa ChatGPT mit Web-Browsing oder Perplexity – und beobachte, wie sie mit deinen Inhalten umgehen. Frage zum Beispiel: «Was macht [dein Unternehmen]?» und prüfe, ob die Quellenangabe stimmt.

Schritt 4: Dokumentieren und kommunizieren

Ergänze deine Datenschutzerklärung und AGB um Hinweise zu KI-Nutzung. Einige Unternehmen verlinken auch direkt auf ihre llms.txt im Footer – so wie wir bei abteilung.ch.

Die Vorteile für dein Unternehmen

Kontrolle zurückgewinnen: Du bestimmst, welche Inhalte für KI-Training verwendet werden dürfen und welche nicht. Sensible Kundendaten oder interne Dokumente bleiben geschützt.

Marke schützen: Wenn KI-Systeme deine Inhalte nutzen, kannst du sicherstellen, dass deine Quelle genannt wird. Das stärkt Autorität und Markenwahrnehmung – besonders wichtig in einem Markt, in dem KI-Antworten zunehmend die erste Anlaufstelle sind.

Zukunftssicher aufstellen: KI-optimierte Websites werden zum Standard. Wer früh handelt, definiert mit, wie die Regeln aussehen – statt nur zu reagieren. Laut Forrester werden bis 2027 rund 30 Prozent der B2B-Kaufentscheidungen massgeblich von KI-generierten Inhalten beeinflusst.

Rechtssicherheit erhöhen: Mit klaren Nutzungsrichtlinien reduzierst du rechtliche Grauzonen. Besonders relevant für Schweizer Unternehmen im Hinblick auf Urheberrecht und das revidierte DSG.

Sichtbarkeit in KI-Antworten: Strukturierte Inhalte werden von KI-Systemen bevorzugt zitiert. Wer seine Inhalte maschinenlesbar aufbereitet und Quellenangaben einfordert, wird häufiger als Referenz genannt.

Was du jetzt tun solltest

  • Analysieren: Welche deiner Inhalte sollen KI-Systeme nutzen dürfen? Wo ziehst du die Grenze? Denke an Blog-Artikel, Produktseiten, aber auch an Preislisten oder Kundendaten.
  • Implementieren: Erstelle eine erste Version deiner llms.txt. Besser eine einfache Version heute als eine perfekte in sechs Monaten.
  • Beobachten: Die KI-Landschaft entwickelt sich rasant. Plane vierteljährliche Reviews deiner Strategie ein. Was heute funktioniert, kann in drei Monaten anders aussehen.
  • Kommunizieren: Informiere dein Team – von Marketing bis Legal – über deine KI-Richtlinien. Und ergänze deine Datenschutzerklärung.

Wenn du Unterstützung brauchst: Wir helfen Schweizer KMU dabei, ihre Website für die KI-Ära aufzustellen – von der technischen Umsetzung bis zur Strategie.

Zusammengefasst

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • KI-Suchmaschinen wie ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews verändern grundlegend, wie Menschen Informationen finden. Wer nur für klassische Suchmaschinen optimiert, wird zunehmend unsichtbar.
  • llms.txt ist der neue Standard, um KI-Systemen Regeln für deine Inhalte zu geben – ähnlich wie robots.txt es für Suchmaschinen-Crawler tut.
  • Die technische Umsetzung ist einfach: Eine Textdatei im Root-Verzeichnis deiner Website genügt für den Anfang.
  • Schweizer KMU haben jetzt die Chance, sich früh zu positionieren – bevor der Standard von anderen definiert wird.
  • llms.txt ist ein Baustein. Genauso wichtig sind strukturierte Daten (Schema.org), klare Informationsarchitektur und maschinenlesbare Inhalte.

Die Frage ist nicht, ob deine Website von KI genutzt wird. Die Frage ist, ob du dabei die Kontrolle behältst.

Bleib am Ball