Suchen, filtern, finden
Wer Produkte, Mitglieder oder Veranstaltungen online auffindbar machen will, braucht mehr als eine Suchmaske. Eine gute Datenarchitektur im Headless CMS ist die Grundlage für Suche, Filter und schnelle Ergebnisse.
«Unser Produktkatalog hat 800 Einträge. Die Kunden sollen nach Kategorie, Preis, Verfügbarkeit und Saison filtern können. Und das Ganze soll schnell sein.» Solche Anforderungen hören wir regelmässig. Und sie sind lösbar – wenn man von Anfang an die richtige Grundlage legt.
Laut einer Studie von Baymard Institute nutzen 43 % der Besucher:innen auf E-Commerce-Websites sofort die Suchfunktion. Und diese suchenden Nutzer:innen konvertieren 1,8-mal häufiger als diejenigen, die nur browsen. Konkret bedeutet das: Wer die Suche vernachlässigt, lässt Umsatz liegen.
Die Grundlage ist nicht die Suchmaske. Die Grundlage sind die Daten – wie sie strukturiert, kategorisiert und gespeichert werden. Ein Headless CMS wie Sanity.io gibt dabei enormen Spielraum. In diesem Artikel zeigen wir, wie Suche und Filter technisch funktionieren, warum gute Datenstruktur den Unterschied macht und was Schweizer Online-Shops daraus lernen können.
Strukturierte Daten sind der Schlüssel
In einem klassischen CMS ist Inhalt oft als Fliesstext gespeichert – schwer filterbar, schwer durchsuchbar. In einem Headless CMS definieren wir genau, welche Felder ein Dokument hat: Kategorie, Preis, Datum, Standort, Status, Tags. Jedes Feld ist ein strukturiertes Datum, das gezielt abgefragt werden kann.
Mit GROQ – Sanity's Abfragesprache – lassen sich komplexe Filter elegant ausdrücken: «Gib mir alle Produkte, die zur Kategorie X gehören, einen Preis unter Y haben und auf Lager sind, sortiert nach Relevanz.» Das ist kein Workaround – das ist das Grundprinzip des Systems.
Was viele nicht wissen: Bereits bei der CMS-Konfiguration entscheidet sich, wie gut die Suche später funktioniert. Wer Produkteigenschaften als separate Felder anlegt statt sie im Beschreibungstext zu verstecken, spart sich nachträgliche Migrationen. Aus Erfahrung würden wir empfehlen: Lieber ein Feld zu viel als eines zu wenig. Felder lassen sich ausblenden, aber nachträglich strukturieren ist aufwändig.
Das heisst für euch: Bevor ihr über die Suchoberfläche nachdenkt, klärt zuerst, welche Informationen eure Kund:innen tatsächlich filtern wollen. Diese Felder werden zur Grundlage eurer gesamten Sucherfahrung.
Facettierte Suche: Mehr als ein Suchfeld
Facettierte Suche bedeutet: Mehrere Filter gleichzeitig, die sich gegenseitig einschränken. Du wählst «Outdoor-Möbel» und siehst dann nur noch relevante Materialien und Preissegmente. Du filterst nach «Holz» und die Preisrange passt sich an. Das ist keine Magie – das ist saubere Datenarchitektur.
Eine Untersuchung von Baymard Institute zeigt: 42 % aller grossen E-Commerce-Websites bieten ungenügende Filteroptionen an. Die Folge? Nutzer:innen brechen die Suche ab, obwohl das gewünschte Produkt im Sortiment wäre. Gute Filter verhindern genau das.
Entscheidend ist, dass die Filteroptionen nicht hart codiert sind, sondern aus den Daten selbst generiert werden. Wenn eine neue Kategorie ins CMS kommt, erscheint sie automatisch als Filteroption. Das System wächst mit den Inhalten – ohne dass jemand Code anpassen muss.
Ein Beispiel: Ein Schweizer Möbelhändler führt 15 neue Gartenstühle ein. Im CMS werden Material, Farbe, Preis und Lieferstatus gepflegt. Die Filteroberfläche zeigt automatisch die neuen Materialien und Farbvarianten an. Kein Entwickler muss eingreifen, keine Wartezeit fürs Marketing-Team.
Der Trick dabei: Die Filteroptionen sollten immer die tatsächlich vorhandenen Werte spiegeln. Wer «Rot» als Filter anzeigt, obwohl kein einziges rotes Produkt im Sortiment ist, frustriert Nutzer:innen. Dynamische Filter lösen genau dieses Problem.
Suchverhalten in der Schweiz: Was die Zahlen sagen
Die Schweiz ist einer der reifsten E-Commerce-Märkte Europas. Laut dem Schweizer E-Commerce Stimmungsbarometer 2024 der HWZ haben über 95 % der Schweizer Bevölkerung schon online eingekauft. Der Online-Handel in der Schweiz erreichte 2023 ein Volumen von rund CHF 15 Milliarden.
In einem Markt mit diesem Reifegrad erwarten Nutzer:innen Komfort. Wer bei Galaxus, Brack oder Digitec einkauft, kennt facettierte Filter, Echtzeit-Suche und intelligente Vorschläge. Diese Erwartungshaltung überträgt sich auf jede andere Website – auch auf den regionalen Fachhändler mit 200 Produkten.
Konkret bedeutet das: Schweizer KMU konkurrieren bei der Sucherfahrung nicht nur mit ihren direkten Wettbewerbern, sondern mit den Standards, die grosse Plattformen setzen. Ein Online-Shop für Spezialwerkzeug in Winterthur wird unbewusst an Galaxus gemessen.
Dazu kommt die Mehrsprachigkeit. Viele Schweizer Shops bedienen Kund:innen auf Deutsch, Französisch und teils Italienisch. Die Suchfunktion muss damit umgehen können – idealerweise sprachübergreifend. Wer «chaise» eingibt, sollte auch Stühle finden, wenn das Produkt nur auf Deutsch erfasst ist.
Wo das besonders wertvoll ist
Nicht jede Website braucht eine ausgefeilte Suchfunktion. Aber für bestimmte Typen ist sie der Kernnutzen:
- Produktkataloge: Grosse Sortimente brauchen Filter, damit Kund:innen finden, was sie suchen. Ein Schweizer Baumaschinenhändler mit 3000 Ersatzteilen? Ohne Filter unbenutzbar.
- Mitgliederverzeichnisse: Verbände, Berufsorganisationen, Netzwerke. Suche nach Standort, Branche, Funktion. In der Schweiz besonders relevant für Branchenverbände wie Swissmem oder scienceindustries.
- Veranstaltungskalender: Nach Datum, Ort, Thema filtern. Vergangene Events ausblenden, nächste hervorheben. Besonders wichtig für Messen, Kongresszentren und Kulturinstitutionen.
- Immobilien- und Angebots-Listings: Preis, Grösse, Lage, Verfügbarkeit – klassische Filterkombinationen. In der Schweiz denken alle an Homegate oder ImmoScout24. Aber auch lokale Immobilienfirmen brauchen diese Funktionalität.
- Referenzportale: Dienstleister, Spezialisten, Anbieter – nach Region, Spezialgebiet, Sprache. In einem mehrsprachigen Land wie der Schweiz ein echtes Plus.
Volltextsuche: Wann ein Suchdienst sinnvoll ist
Für strukturierte Filter reichen GROQ-Abfragen direkt auf Sanity problemlos aus. Wenn es aber um Volltextsuche geht – also «finde alle Artikel, die das Wort Nachhaltig irgendwo im Text enthalten» – kommen spezialisierte Suchdienste wie Algolia oder Meilisearch ins Spiel.
Diese Dienste indizieren Inhalte und bieten Echtzeit-Suche mit Tippfehlertoleranz, Synonymen und Relevanz-Ranking. Die Integration mit Sanity ist gut dokumentiert: Inhalte werden bei Änderungen automatisch in den Suchindex synchronisiert.
Was gut funktioniert hat: Die Kombination aus strukturierten Filtern (direkt über GROQ) und Volltextsuche (über einen externen Dienst). Strukturierte Filter für die gezielte Eingrenzung, Volltextsuche für den Freitext-Zugang. So deckt man beide Nutzungsarten ab.
Laut Google werden Websites mit einer gut funktionierenden Site Search mit 1,3-mal längerer Verweildauer und deutlich tieferer Bounce-Rate belohnt. Eine Analyse von Econsultancy zeigt sogar: Nutzer:innen, die die Site Search verwenden, generieren bis zu 50 % mehr Umsatz pro Besuch als Nicht-Suchende.
Für die meisten Projekte ist ein externer Suchdienst kein Muss. Aber wenn Volltext-Suche ein zentrales Feature ist, lohnt sich die Investition – besonders bei grossen Inhaltsmengen oder mehrsprachigen Websites.
Aufwand und Investition: Was du einplanen solltest
Gute Suche kostet nicht zwingend viel – aber sie braucht Planung. Die grösste Investition liegt im Datenmodell: Welche Felder braucht es? Welche Taxonomien? Wie werden Inhalte gepflegt? Diese Arbeit zahlt sich langfristig aus, weil sie nicht nur die Suche verbessert, sondern auch die gesamte Content-Pflege vereinfacht.
Bei der Umsetzung unterscheiden wir drei Stufen:
- Basis-Filter: Strukturierte Felder im CMS, einfache Filterfunktion im Frontend. Geringer Aufwand, grosser Effekt. Für die meisten KMU-Websites der richtige Einstieg.
- Facettierte Suche: Dynamische Filter, die sich gegenseitig beeinflussen. Mittlerer Aufwand. Ideal für Shops und Kataloge ab 100 Produkten.
- Volltext + Filter: Kombination aus strukturierten Filtern und externer Suchmaschine. Höherer Aufwand, laufende Kosten für den Suchdienst. Sinnvoll ab grossen Inhaltsmengen oder bei Mehrsprachigkeit.
Aus Erfahrung würden wir empfehlen: Mit Stufe 1 starten und bei Bedarf erweitern. Ein gut geplantes Datenmodell macht den Sprung zu Stufe 2 oder 3 jederzeit möglich, ohne alles neu zu bauen.
Das Wesentliche auf einen Blick
- Gute Suche beginnt mit guter Datenstruktur: Strukturierte Felder statt Fliesstext ermöglichen präzise Filter.
- Headless CMS wie Sanity ermöglichen facettierte Suche und dynamische Filter direkt aus den Inhalten.
- Filteroptionen aus den Daten generieren – nicht hart codieren. Das System wächst mit den Inhalten.
- Besonders wertvoll für: Produktkataloge, Mitgliederverzeichnisse, Veranstaltungskalender und Listings.
- Für Volltextsuche mit Tippfehlertoleranz: Algolia oder Meilisearch als spezialisierte Suchdienste.
- Schweizer Nutzer:innen erwarten Komfort: Die Standards von Galaxus und Co. gelten als Benchmark – auch für KMU-Shops.
- 43 % der E-Commerce-Besucher:innen nutzen sofort die Suche – und konvertieren 1,8-mal häufiger. Suche ist kein Nice-to-have, sondern Umsatztreiber.