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Warum dein selbstgebautes CMS dich ausbremst

Pascal Widmer Technical Director

Ein selbstgebautes CMS klingt nach Massarbeit — wird aber oft zum teuersten Bremsklotz deiner digitalen Entwicklung. Warum das so ist und wann sich ein Wechsel lohnt.

Über 40 Prozent der Schweizer KMU setzen noch auf ein individuell entwickeltes CMS. Was einmal als massgeschneiderte Lösung gestartet hat, wird mit den Jahren oft zum grössten Bremsklotz der digitalen Weiterentwicklung. Denn ein eigenes CMS bringt Abhängigkeiten mit sich, die du auf den ersten Blick nicht siehst – aber jeden Tag spürst.

Das heisst für dich: Jede neue Anforderung – ob ein zusätzliches Formular, eine Sprachversion oder eine Anbindung an dein ERP – wird zum Projekt statt zur Konfiguration. Und das kostet nicht nur Geld, sondern auch Geschwindigkeit in einem Markt, der sich schnell verändert.

Wenn das Team zur Schwachstelle wird

Ein selbstgebautes CMS betreut typischerweise ein kleines Entwicklerteam – oft ein bis drei Personen. Das Problem: Fällt eine Schlüsselperson aus, steht die Entwicklung still. Bei einem Projekt im Bildungsbereich haben wir erlebt, wie der Weggang eines einzelnen Entwicklers die gesamte Website-Weiterentwicklung für über sechs Monate blockiert hat.

Konkret bedeutet das: Niemand sonst versteht den Code, die Dokumentation ist lückenhaft, und externe Entwickler:innen brauchen Wochen Einarbeitung – wenn sie sich überhaupt auf ein fremdes System einlassen. In der Schweiz, wo IT-Fachkräfte rar sind, verschärft sich dieses Problem zusätzlich.

Zum Vergleich: Hinter einem CMS wie Sanity oder WordPress stehen Hunderte von Entwickler:innen. Bei einem eigenen CMS trägst du das gesamte Risiko selbst.

Keine Roadmap, keine Zukunft

Moderne CMS-Anbieter veröffentlichen regelmässig Updates, Sicherheitspatches und neue Features. Sanity zum Beispiel liefert monatlich Verbesserungen – von KI-gestützter Content-Erstellung bis hin zu besseren Editing-Workflows.

Ein selbstgebautes CMS hat in der Regel keine öffentliche Roadmap. Neue Features entstehen nur auf Anfrage – und nur, wenn Budget und Kapazität vorhanden sind. Das bedeutet: Du investierst laufend Geld in Features, die du bei einem professionellen CMS bereits inklusive hättest.

Laut einer Forrester-Studie investieren Unternehmen mit Eigenentwicklungen durchschnittlich 3,5-mal mehr in CMS-Wartung als Unternehmen mit Standard-Lösungen (Quelle: Forrester, 2023). Für ein Schweizer KMU mit einem Jahresbudget von CHF 20 000.– bis CHF 50 000.– für die Website heisst das: Ein grosser Teil fliesst in Bestehendes statt in Neues.

Updates – zwischen anstrengend und unmöglich

Bei einem professionellen CMS laufen Sicherheitsupdates automatisch oder mit wenigen Klicks. Bei einem Eigenbau? Da muss das Entwicklerteam jedes Update manuell einpflegen – wenn überhaupt dokumentiert ist, was geändert werden muss.

Die Realität sieht oft so aus:

  • Sicherheitslücken bleiben monatelang offen, weil Updates aufwändig sind
  • Abhängigkeiten wie Frameworks und Bibliotheken veralten und werden zu Risikofaktoren
  • Technische Schulden häufen sich, weil Refactoring nie dringend genug ist

Gemäss dem BSI sind veraltete CMS-Systeme einer der häufigsten Einfallstore für Cyberangriffe (Quelle: BSI Lagebericht, 2024). Gerade in der Schweiz, wo das neue Datenschutzgesetz (nDSG) seit September 2023 gilt, kann ein schlecht gewartetes CMS schnell zum Compliance-Risiko werden.

Features im Schneckentempo

Ein neues Kontaktformular? Eine Bildergalerie? Ein Newsletter-Modul? Bei einem modernen CMS ist das eine Sache von Stunden bis Tagen. Bei einem Eigenbau beginnt jedes Feature bei null – Konzeption, Entwicklung, Testing, Deployment.

In der Praxis bedeutet das:

  • Wochen Wartezeit für Features, die es anderswo out-of-the-box gibt
  • Hohe Entwicklungskosten für Standardfunktionen
  • Priorisierungskonflikte, weil das kleine Team nicht alles gleichzeitig kann

72 Prozent der Unternehmen nennen mangelnde Agilität als grössten Nachteil ihres bestehenden CMS (Quelle: CMSWire, 2023). Ein Beispiel: Ein Kunde aus dem Gesundheitsbereich wollte eine mehrsprachige FAQ-Seite. Mit seinem Eigenbau-CMS hätte das drei Monate gedauert. Mit Sanity war es in zwei Wochen live.

Bedienung – gewöhnt heisst nicht gut

Ja, ein selbstgebautes CMS ist oft auf bestimmte Geschäftsprozesse zugeschnitten. Und ja, manche Workflows funktionieren dadurch reibungslos. Aber: «Wir haben uns daran gewöhnt» ist kein Qualitätsmerkmal.

Typische Probleme, die wir bei Kunden sehen:

  • Keine Vorschau – Änderungen erst nach dem Publizieren sichtbar
  • Umständliche Navigation – 7 Klicks statt 2 für häufige Aufgaben
  • Fehlende Rechte-Verwaltung – alle können alles, oder niemand kann irgendwas
  • Kein Responsive Editing – am Handy unbenutzbar

Moderne CMS bieten Live-Vorschau, Drag-and-Drop-Editing und rollenbasierte Zugriffskontrolle – Features, die in einem Eigenbau erst programmiert werden müssten. Was viele nicht wissen: Allein die Entwicklung einer vernünftigen Live-Vorschau kann CHF 15 000.– bis CHF 30 000.– kosten. Bei einem Headless CMS ist sie ab Tag eins dabei.

Welche Alternativen gibt es?

Die gute Nachricht: Du musst kein eigenes CMS bauen, um flexible Inhalte zu verwalten. Und du musst auch nicht bei WordPress oder TYPO3 landen – beides Systeme, die wir aus guten Gründen regelmässig ablösen.

Moderne Headless CMS trennen Inhalt und Darstellung. Das heisst für dich: Dein Team pflegt Inhalte in einem intuitiven Interface, und die Website, App oder Newsletter greifen über eine Schnittstelle darauf zu. Keine Plugin-Konflikte, keine veralteten PHP-Stacks, keine Update-Angst.

Sanity.io ist das CMS, das wir am häufigsten einsetzen. Schema-as-Code gibt dir volle Kontrolle über die Datenstruktur, das Studio ist modern und anpassbar, und die Echtzeit-Vorschau zeigt Änderungen sofort. Mehr dazu in unserem Artikel «Warum wir Sanity.io als CMS einsetzen».

Payload CMS ist eine spannende Alternative für Projekte, die ein selbst gehostetes System brauchen. Entwicklerfreundlich, mit eingebautem SEO und flexiblem Datenmodell. Unsere Einschätzung findest du unter «Payload CMS: Warum Entwickler es lieben».

Beide Systeme haben aktive Communities, regelmässige Updates und öffentliche Roadmaps – genau das, was einem selbstgebauten CMS fehlt.

Wann lohnt sich der Umstieg?

Nicht jedes selbstgebaute CMS muss sofort ersetzt werden. Aber wenn du mehr als zwei dieser Punkte wiedererkennst, lohnt sich ein Gespräch:

  • Du wartest regelmässig Wochen auf kleine Änderungen
  • Dein CMS hat seit über einem Jahr kein Update erhalten
  • Eine einzelne Person hält das ganze System am Laufen
  • Du zahlst für Funktionen, die bei Standard-CMS inklusive wären
  • Die Bedienung ist so umständlich, dass dein Team das CMS meidet

Ein Wechsel muss übrigens nicht auf einen Schlag passieren. Bei einem Projekt im Gesundheitsbereich haben wir das alte CMS schrittweise durch ein modernes System ersetzt – Seite für Seite, ohne Downtime. Nach drei Monaten war die Migration abgeschlossen, und das Redaktionsteam hat die Einarbeitungszeit auf unter eine Woche geschätzt.

Aus Erfahrung würden wir empfehlen: Rechne mit CHF 15 000.– bis CHF 40 000.– für eine vollständige CMS-Migration eines mittelgrossen Webauftritts. Das klingt nach viel – aber vergleiche es mit den jährlichen Kosten, die dein Eigenbau-CMS an Wartung, verpassten Features und Entwicklerabhängigkeit verursacht.

Das Wesentliche auf einen Blick

  • Ein selbstgebautes CMS erzeugt gefährliche Abhängigkeiten von einzelnen Entwickler:innen
  • Ohne Roadmap und Community fehlt die Zukunftssicherheit
  • Sicherheitsupdates und neue Features kosten ein Vielfaches gegenüber Standard-CMS
  • «Gewöhnt» ist nicht dasselbe wie «gut» – moderne CMS bieten deutlich bessere Nutzererlebnisse
  • Der Umstieg kann schrittweise erfolgen und muss kein Big Bang sein

Du bist unsicher, ob sich ein CMS-Wechsel für dich lohnt? Wir schauen uns dein Setup unverbindlich an und sagen dir ehrlich, ob ein Umstieg Sinn macht – oder ob dein bestehendes System noch eine Weile taugt.

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