Warum wir nicht mehr mit Legacy-CMS arbeiten

Pascal Widmer Technical Director

TYPO3, Neos, WordPress — wir kennen diese Systeme. Wir haben damit Websites gebaut. Und wir haben entschieden, weiterzugehen. Nicht aus Nostalgie oder Prinzip, sondern weil moderne Architekturen für KMU schlicht besser funktionieren.

Wir reden nicht von Hörensagen

Bevor wir Websites auf SvelteKit und Sanity gebaut haben, haben wir mit TYPO3 gearbeitet. Wir haben Neos-Projekte umgesetzt. WordPress kennen wir von innen. Diese Kritik kommt nicht von jemandem, der die Alternativen nicht kennt.

Wir haben uns bewusst und schrittweise davon entfernt. Dieser Artikel erklärt warum.

Das Muster, das sich wiederholt

TYPO3, Neos und WordPress sind unterschiedliche Systeme mit unterschiedlichen Stärken. Aber sie teilen ein strukturelles Muster, das mit zunehmendem Projektumfang zum Problem wird:

Alle drei sind monolithisch aufgebaut. Backend, Frontend und Datenhaltung sind eng miteinander verzahnt. Ein Update an einer Stelle kann eine andere brechen. Die Abhängigkeit von Erweiterungen (Plugins, Extensions, Packages) schafft technische Schuld, die sich mit der Zeit ansammelt.

Moderne Headless-Architekturen trennen diese Schichten sauber. Das CMS ist nur noch für Inhalte zuständig. Das Frontend ist frei wählbar. Die beiden Teile können unabhängig voneinander aktualisiert werden.

TYPO3: Mächtig, aber schwer

TYPO3 ist ein ausgereiftes System mit klarer Enterprise-Ausrichtung. Für grosse Organisationen mit eigenen Entwicklungsteams kann es die richtige Wahl sein.

Für KMU ist der Aufwand meistens unverhältnismässig:

Major-Upgrades sind keine routinemässigen Updates — sie sind Projekte. TYPO3 9 auf 12 zu migrieren kostet Tage, nicht Stunden. Extensions von Drittanbietern brechen bei grossen Versionssprüngen regelmässig. Der Entwicklermarkt für TYPO3-Spezialisten wird kleiner, nicht grösser.

Dazu kommt die Performance: PHP-basiertes serverseitiges Rendering ist messbar langsamer als statische oder SSR-Lösungen mit modernen Frameworks. Das hat direkte Auswirkungen auf Core Web Vitals und damit auf das Ranking.

Neos: Gute Idee, zu kleine Gemeinde

Neos hat technisch Interessantes zu bieten — insbesondere das Inline-Editing und die saubere Inhaltsmodellierung. Wir haben selbst damit gebaut und verstehen den Ansatz.

Das Problem ist strukturell: Die Entwicklergemeinde ist klein, auf die DACH-Region konzentriert und wächst nicht. Das bedeutet: Weniger verfügbare Entwickler, teurere Stundensätze, längere Wartezeiten. Und im Krisenfall — wenn ein Update etwas bricht oder eine Sicherheitslücke geschlossen werden muss — ist die Auswahl an Personen, die helfen können, überschaubar.

Für Projekte, die langfristig betrieben und weiterentwickelt werden sollen, ist das ein reales Risiko. Eine Insellösung ist kein Problem, bis sie eines wird.

WordPress: Das bekannteste Problem

WordPress betreibt rund 40 Prozent aller Websites weltweit. Das ist gleichzeitig seine Stärke und sein grösstes Sicherheitsproblem. Eine so verbreitete Plattform ist ein attraktives Ziel für automatisierte Angriffe.

Die meisten WordPress-Sicherheitsprobleme entstehen nicht im Core, sondern durch Plugins. Ein nicht aktualisiertes Plugin, eine schlecht gewartete Extension — das reicht. Wir sehen regelmässig kompromittierte WordPress-Installationen bei KMU, die gedacht haben, ihre Website sei kein relevantes Ziel.

Dazu kommt die Performance-Last: Ein typisches WordPress mit Dutzenden Plugins braucht für den ersten Seitenaufruf deutlich länger als eine SSR- oder statische Alternative. Caching hilft, löst aber das Grundproblem nicht.

Was wir stattdessen empfehlen

Wir arbeiten heute mit einer Headless-Architektur: SvelteKit oder Nuxt als Frontend, Sanity, Payload oder Directus als CMS — je nach Projektgrösse und Anforderungen.

Der Vorteil: Das Frontend ist von Anfang an schnell, sicher und unabhängig vom CMS. Updates am CMS gefährden nie das Frontend. Neue Inhaltstypen können ohne Entwickleraufwand hinzugefügt werden. Und die Performance ist messbar besser — was sich direkt in den Core Web Vitals und im Ranking zeigt.

Das ist keine Experimentiererei. Das ist die Architektur, auf die die grossen Plattformen seit Jahren setzen. Wir machen sie zugänglich für KMU.

Wann ein Legacy-CMS trotzdem passt

Ehrlichkeit gehört dazu: Es gibt Situationen, in denen TYPO3 oder WordPress die pragmatisch richtige Wahl ist.

Wer ein bestehendes WordPress betreibt, das gut gewartet ist, keine Sicherheitsprobleme hat und für das kein grundlegender Umbau ansteht — der muss nicht wechseln. Nicht jedes funktionierende System muss modernisiert werden.

Und für sehr einfache Websites mit minimalem Budget und kurzem Lebenszyklus kann ein Page-Builder-Ansatz auf WordPress schneller und günstiger sein als eine massgeschneiderte Lösung.

Wir sagen nicht: «Legacy-CMS ist immer falsch.» Wir sagen: «Für KMU, die langfristig investieren, gibt es heute bessere Optionen.»

Konkret einen Wechsel planen?

Wenn ihr mit TYPO3 arbeitet und über einen Wechsel nachdenkt — wir kennen das System und wissen, was eine Migration braucht. Schau auf unsere TYPO3-Seite oder meld dich direkt.

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