#Technologie

Shopify als Motor: Shop, ERP und Website verbinden

Pascal Widmer Technical Director

Die meisten Shops scheitern nicht am Design, sondern an doppelter Datenpflege. Wie ERP, Shopify und CMS zusammenspielen – am Beispiel von 1000+ Artikeln bei der ADES AG.

Die meisten Online-Shops scheitern nicht am Schaufenster, sondern an den Daten dahinter. Die Produkte liegen längst sauber im Warenwirtschafts- oder ERP-System – und werden für den Shop trotzdem ein zweites Mal von Hand erfasst. Jede Preisänderung, jeder neue Artikel: doppelte Arbeit, doppelte Fehlerquelle. Dabei muss Shopify gar nicht dein ganzer Shop sein. Es kann auch einfach der Motor im Hintergrund sein, während Daten, Inhalte und Design dort bleiben, wo sie hingehören. Wir zeigen dir, wie das zusammenspielt – am Beispiel eines Projekts mit über 1000 Artikeln.

Das eigentliche Problem sitzt nicht im Schaufenster, sondern in den Daten

Der Schweizer Online-Handel setzte 2023 rund 14,4 Milliarden Franken um (Quelle: Handelsverband.swiss) – Tendenz steigend. Wer da mitspielt, hat seine Artikel meist schon irgendwo strukturiert erfasst: in Microsoft Dynamics, Abacus, SAP oder einem anderen ERP. Dieses System ist die «Source of Truth» – die verbindliche Quelle für Artikelnummer, Preis und Lagerbestand.

Das Problem beginnt, wenn der Shop eine eigene, zweite Datenbank führt. Dann pflegst du alles doppelt: einmal im ERP für die Buchhaltung, einmal im Shop fürs Schaufenster. Bei zehn Produkten geht das. Bei tausend wird es zur täglichen Fehlerquelle – falsche Preise, oder ausverkaufte Artikel, die online noch lieferbar scheinen.

Composable Commerce: Jedes System macht, was es am besten kann

Die Alternative klingt technischer, als sie ist. Statt einem Monolithen, der alles selbst macht, kombinierst du mehrere spezialisierte Systeme – jedes für das, was es am besten kann. Wir Nerds nennen das «composable» oder «headless» Commerce. Im Grunde heisst es nur: Das Schaufenster (Frontend) ist vom Laden (Shop-Logik) entkoppelt.

Konkret kann das so aussehen:

  • ERP (z.B. Microsoft Dynamics) bleibt die Quelle für Produkte, Preise und Bestände.
  • Shopify ist der Commerce-Motor: Warenkorb, Checkout, Zahlung, Bestellung.
  • Ein CMS verwaltet Inhalte – Texte, Kampagnen, Landingpages.
  • Das Frontend (z.B. SvelteKit) ist dein eigenes Design, schnell und SEO-stark.

Gartner sagte voraus, dass Firmen mit diesem modularen Ansatz neue Funktionen rund 80% schneller ausrollen als die Konkurrenz (Quelle: Gartner). Der Grund: Du kannst jedes Teil einzeln austauschen, ohne den Rest anzufassen.

Aus der Praxis: 1000+ Artikel im Autopilot

Genau so haben wir es für die ADES AG gebaut. Über 1000 Artikel liegen in Microsoft Dynamics. Ein Konnektor synchronisiert sie automatisch nach Shopify – bei jedem neuen Artikel, jeder Änderung, jeder Löschung. Das SvelteKit-Frontend zieht die Produkte aus Shopify, die Inhalte aus Sanity und die Volltextsuche aus Meilisearch zusammen. Für die Kundin heisst das: Sie pflegt die Artikel weiterhin nur an einem Ort – im ERP, das sie ohnehin nutzt. Keine doppelte Datenpflege, kein Abtippen.

Das Schöne daran: Von aussen sieht niemand die vier Systeme im Hintergrund. Die Besucher sehen eine schnelle, aufgeräumte Website. Wie das im Detail aussieht, zeigt unser Case zur ADES-Integration.

Wann sich das lohnt – und wann nicht

Ehrlich bleiben: Für den kleinen Shop ist das überdimensioniert. Wer 30 Produkte verkauft, ist mit einem schlanken Setup besser bedient – dazu haben wir aufgeschrieben, dass ein Online-Shop kein Mammutprojekt sein muss. Und wer von einem alten System wegwill, findet im Wechsel von WooCommerce zu Shopify oft schon die einfachere Lösung.

Der composable Ansatz lohnt sich, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:

  • ERP oder Warenwirtschaft vorhanden – das die Produkte schon führt.
  • Grosser oder häufig wechselnder Katalog – Preise, Bestände, Saison.
  • Eigenes Frontend gewünscht – eigenes Design, volle Kontrolle über Tempo und SEO.
  • Verschiedene Preise oder Kundengruppen – B2B und B2C, Wiederverkäufer.

Trifft das zu, ist die Frage nicht «ob», sondern «wie sauber» die Systeme miteinander reden.

Das Wesentliche auf einen Blick

  • Die teuerste Stelle im E-Commerce ist selten das Design, sondern die doppelte Datenpflege zwischen ERP und Shop.
  • «Composable» oder «headless» heisst: Jedes System macht, was es am besten kann – ERP für Daten, Shopify für den Verkauf, CMS für Inhalte, eigenes Frontend fürs Design.
  • Firmen mit modularem Ansatz rollen neue Funktionen rund 80% schneller aus (Quelle: Gartner).
  • Für die ADES AG synchronisieren wir 1000+ Artikel automatisch von Microsoft Dynamics über Shopify ins Frontend – ohne doppelte Pflege.
  • Für kleine Shops ist das zu viel: Da reicht ein schlankes Setup oder der direkte Wechsel zu Shopify.
  • Lohnt sich, wenn ERP, grosser Katalog, eigenes Frontend und verschiedene Kundengruppen zusammenkommen.

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