#Technologie

Weniger Website, mehr Wirkung

Pascal Widmer Technical Director

Ein Werkzeug muss nicht nur etwas können, es muss schnell sein. Wie wir bei einem Shop mit über 1'000 Produkten das ausgelieferte HTML von über 6 MB auf rund 1 MB gedrückt und die Auslieferung fünfmal beschleunigt haben. Und warum das Kunden, Ranking und Umwelt gleichzeitig hilft.

Mehr als die Hälfte der Besucher springt ab, wenn eine Seite auf dem Handy länger als drei Sekunden lädt (Quelle: Google, 2017). Drei Sekunden. So lange dauert die Geduld, bevor dein Werkzeug überhaupt zum Einsatz kommt.

Letzthin haben wir geschrieben, dass die besten Websites keine Prospekte sind, sondern Werkzeuge. Sie erledigen etwas, statt nur zu informieren. Aber ein gutes Werkzeug hat noch eine Eigenschaft: Es muss schnell sein. Eines, das hakt, nimmt niemand ein zweites Mal in die Hand.

Ein Beispiel gleich vorweg. Bei einem Onlineshop haben wir kürzlich das ausgelieferte HTML von über 6 MB auf rund 1 MB gedrückt, und die Seite antwortet jetzt rund fünfmal schneller. Ohne neuen Server, einfach mit weniger Ballast. Wie das geht, zeigen wir dir hier.

«Schnell» heisst nicht, was die meisten denken

Die meisten Tipps zur Geschwindigkeit drehen sich um Sekunden: Bilder komprimieren, Server aufrüsten, Caching einschalten. Alles richtig. Der grösste Hebel liegt aber woanders, nämlich in der Menge, die überhaupt über die Leitung geht. Die schnellste Seite ist die, die am wenigsten laden muss. Und in fast jeder gewachsenen Website steckt erstaunlich viel totes Gewicht.

Vom Dreirad aufs Rennrad

Ein Beispiel aus der Praxis. Wir haben kürzlich einen Onlineshop mit 1'056 Produkten grundlegend erneuert. Vorher hing alles in einem einzigen, schwerfälligen System zusammen. Solide gebaut, aber wie ein Dreirad: stabil und zuverlässig, nur schnell wird es nie. Heute läuft der Shop auf einem modernen, leichten Aufbau, bei dem jedes Teil eine Sache richtig macht. Microsoft Dynamics liefert als Warenwirtschaft die Artikeldaten, Shopify wickelt den Verkauf ab, Sanity ist das Redaktionssystem, und ein schlankes SvelteKit-Frontend zeigt das Ganze, blitzschnell durchsuchbar. Der Kunde pflegt Produkte an einer Stelle, und sie erscheinen überall aktuell. Genau das meinen wir mit «ein Werkzeug verbindet, was du schon hast».

Aber ein Rennrad wird nicht schnell, weil man es kauft. Es wird schnell, weil an ihm jedes überflüssige Gramm fehlt. Genauso ist ein moderner Aufbau nur die Voraussetzung, nicht automatisch schlank. Auch ein frischer Build sammelt Gewicht an. Und genau da fängt die Arbeit an, die die meisten auslassen: nachmessen, was man wirklich ausliefert, und wegschneiden, was seinen Platz nicht verdient.

Was wir gefunden haben

Zwei Funde, stellvertretend für ein Muster, das wir immer wieder sehen:

  • Eine einzige Datenbank-Abfrage zog auf jeder Seite das komplette Kategorie-Dokument mit: Fliesstexte, Beschreibungen, SEO-Felder, die niemand anzeigte. Macht 1,8 MB unsichtbares HTML pro Seitenaufruf. Nach dem Fix: 0,12 MB. Also 93 Prozent weniger, auf jeder Seite.
  • Die Produktsuche lieferte pro Artikel den vollen Marketing-Text plus Datentabelle in den Quelltext. Dabei braucht die Liste davon nur ein paar Werte zum Filtern. 4,7 MB, die kein Besucher je zu Gesicht bekam. Jetzt sind es 0,8 MB.

Unter dem Strich schrumpfte das HTML einer Suchseite von über 6 MB auf rund 1 MB. Nichts davon war sichtbar. Nichts davon fehlt jetzt.

Der Klassiker: eine Zeile, die alles ausbremst

Dazu kam ein zweiter, noch banalerer Bremsklotz. An jeder Antwort hing noch ein Login-Cookie aus einem längst abgelösten System. Für den Besucher unsichtbar. Fürs Caching fatal: Ein CDN darf keine Seite zwischenspeichern, die ein persönliches Cookie trägt. Also lief jeder Aufruf über den langsamen Weg zum Server, jedes Mal neu.

Cookie entfernt, Zwischenspeicher aktiv. Die Serverantwort fiel von rund 600 auf gut 100 Millisekunden, also fünfmal schneller. Dazu drei überflüssige Datenbank-Abfragen weniger bei jedem Klick. Kein neuer Server, keine teure Hardware. Nur Ballast weg.

Weniger Bytes sind auch grüner

Das ist nicht nur schneller, es ist auch sparsamer. Jedes Megabyte, das du nicht sendest, muss niemand übertragen, kein Rechenzentrum verarbeiten und kein Gerät deines Besuchers laden. Weniger Übertragung, weniger Rechenlast, weniger Energie, bei jedem Aufruf, tausendfach. Eine schlanke Website ist die unspektakulärste Nachhaltigkeitsmassnahme, die es gibt. Sie verschwendet einfach weniger.

Und dein Besucher spürt es sofort. Eine Seite, die ohne Zögern reagiert, macht Spass. Eine, die lahmt, verliert ihn, bevor das Werkzeug überhaupt zum Einsatz kommt.

Ranking kommt mit

Google mag schnelle Seiten, und deine Besucher auch. Sauberes, schlankes HTML lesen Suchmaschinen und KI-Antwortsysteme müheloser. Auch hier gilt, was wir beim Werkzeug-Gedanken gesagt haben: Du optimierst nicht fürs Ranking. Du baust etwas Schnelles, Sauberes, Nützliches. Das Ranking folgt von selbst.

Zusammengefasst

  • Die schnellste Website ist die, die am wenigsten lädt. Der grösste Hebel ist nicht der Server, sondern die Menge.
  • Ein modernes Fundament (SvelteKit, Shopify, Sanity, Dynamics) ist die Voraussetzung. Schlank wird es erst durchs Nachmessen und Wegschneiden.
  • In gewachsenen Seiten steckt oft megabyteweise unsichtbares HTML. Bei uns über 6 MB auf 1 MB, ohne dass etwas fehlt.
  • Ein einziges falsches Cookie kann jedes Caching aushebeln. Fünfmal schneller durch eine Reparatur, nicht durch mehr Hardware.
  • Weniger Bytes heissen weniger Bandbreite, weniger Energie, mehr Tempo. Und ein Ranking, das mitkommt.

Schau dir an, wie viel deine wichtigste Seite wirklich lädt. Nicht, wie sie aussieht, sondern was sie überträgt. Wenn die Antwort «zu viel» lautet, sprich mit uns.

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